Hildens längste Geburtstagsfeier

Mehr als 140 Veranstaltungen hat es 2010 zu Ehren Wilhelm Fabrys gegeben. Mit der Resonanz ist Dr. Wolfgang Antweiler, Stadtarchivar und Leiter des Wilhelm-Fabry-Museums, mehr als zufrieden.
Heute geht in Hilden das Fabry-Jahr 2010 zu Ende. Anlass für eine Bilanz, die Dr. Wolfgang Antweiler, Stadtarchivar und Leiter des Wilhelm-Fabry-Museums, im Gespräch mit RP-Redaktionsleiterin Barbara Jakoby zieht.

von Barbara Jakoby
Quelle: Rheinische Post, Freitag, den 31. Dezember 2010
Herr Antweiler, wie oft ist Ihnen in diesem Jahr Wilhelm Fabry im Traum erschienen?
Dr. Wolfgang Antweiler
Antweiler (lachend) Einige Male. Aber es waren keine Alpträume und er hat mich auch nicht operiert.
Sie und Ihr Team sind mit großen Plänen und hohen Zielen ins Fabry-Jahr gegangen. Haben sie sich erfüllt?
Antweiler Ja, voll und ganz.
Sie wollten in das Fabry-Jahr alle Bevölkerungsschichten und alle Altersklassen einbinden. Ist das gelungen?
Antweiler Es ist beeindruckend, dass wir es geschafft haben, so viele Menschen mitzunehmen. Viele Projekte, in die wir Vereine, Kindergärten und Schulen einbinden wollten, mussten wir nur anstoßen, dann sind sie von selbst gelaufen und wir haben sie nur noch begleitet. Offenbar ist es uns gelungen, Begeisterung zu verbreiten. Am deutlichsten sichtbar wurde das am Fabry-Festwochenende im Juni, das dank der Beteiligung vieler Hildener zu einem ganz großen Erfolg geworden ist.
Zu Beginn dieses Jahres hatten selbst viele Hildener keine Ahnung, wer Wilhelm Fabry ist. Glauben Sie, das ist jetzt anders?
Antweiler In Hilden auf jeden Fall. An dem Fabry-Logo, mit dem wir das Jahr beworben haben, kam ja keiner vorbei.
Ein Logo zu sehen heißt nicht unbedingt zu wissen, welcher Inhalt sich dahinter verbirgt.
Antweiler Wie viele Menschen heute mehr über Fabry wissen als Anfang des Jahres, ist natürlich nicht messbar. Aber die Reaktionen auf unsere Veranstaltungen haben gezeigt, dass wir Menschen erreicht haben, die wir sonst weder im Museum noch im Stadtarchiv sehen. Und über Schulen und Kindergärten haben wir nicht nur die Kinder, sondern auch viele Eltern und Großeltern erreicht.
Ein Ziel war es auch, Fabry über die Stadtgrenzen hinaus bekannt zu machen. Ist das gelungen?
Antweiler Auf jeden Fall! Allein schon durch die Referenten unserer medizinhistorischen Vorträge, die aus der ganzen Bundesrepublik kamen. Sie haben Fabry in ihren Instituten zum Gegenstand neuer Forschungen gemacht. An der Universität Ulm wird eine Dissertation über Fabry geschrieben, die Universitätsbibliothek Düsseldorf hat seine „Opera Omnia“ digitalisiert und ins Netz gestellt, und die Vorträge, die beim Jahrestreffen der Rheinischen Medizinhistoriker im Mai in Hilden gehalten wurden, werden als Publikation in den Fachbibliotheken stehen.
Für die Organisation des Fabry-Jahres stand ein Etat von insgesamt 190 000 Euro zur Verfügung. Sind Sie damit ausgekommen?
Antweiler Wir schreiben eine schwarze Null. Feste Posten waren ja 100 000 Euro aus der Sport- und Kulturstiftung und 60 000 Euro aus dem städtischen Haushalt. 30 000 Euro mussten wir selbst durch Sponsoring hereinholen. Das haben wir leicht übererfüllt, so dass wir uns ein paar Extras erlauben konnten. Zu verdanken ist das vor allem der großzügigen Unterstützung durch Hildener Unternehmen.
Das Fabry-Jahr sollte der Impuls sein für die Positionierung Hildens als Fabry-Stadt. . . .
Antweiler Die wird es so nicht geben. Marketingexperten der Bergischen Universität Wuppertal haben kürzlich in ihrem Konzept für eine Markenidentität der Stadt Hilden als „die liebenswerte, kulturbegeisterte Familienstadt mit Großstadtangebot und kurzen Wegen“ positioniert.
Enttäuscht Sie das?
Antweiler Keineswegs. An der Entwicklung des Konzeptes war ich beteiligt, und Fabry spielt in dem Konzept ja durchaus eine Rolle, weil er für vieles steht, was das heutige Hilden ausmacht, zum Beispiel das beachtliche Bildungsangebot.
Und der Traum von der Erweiterung des Wilhelm-Fabry-Museums?
Antweiler Bleibt hoffentlich nicht nur ein Traum. Erfolg braucht Raum zur Entfaltung. Ich halte jedenfalls an dem Ziel fest, und im Rahmenplan Nördliche Unterstadt ist der Neubau ja auch vorgesehen.
Informationen zu Leben und Werk Wilhelm Fabrys unter www.fabry-jahr.de und www.rp-online.de/hilden

Abb.: Dr. Wolfgang Antweiler: „Alle Ziele haben sich erfüllt.“

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