Das Leben eines Weltbürgers

Morgen wird die Ausstellung „Wilhelm Fabry: Persönlichkeit, Wirken, Weltbild, Netzwerk, Patienten“ eröffnet. Zu sehen sind seltene und wertvolle Exponate, die das Leben des Arztes dokumentieren.

von Uli Schmidt
Quelle: Rheinische Post, Donnerstag, den 2. September 2010
Dr. Wolfgang Antweiler (rechts) und Bernd Morgner fassen die kostbaren Schriften nur mit Handschuhen an.
Wer im laufenden Fabry-Jahr immer noch nicht genau weiß, wer der berühmte Stadtsohn war, kann sich ab morgen über dessen „Persönlichkeit, Wirken, Weltbild, Netzwerk, Patienten“ im hiesigen Museum schlau machen. Mit der dritten Ausstellung zum 450. Geburtstag des berühmten Wundarztes wird dieser selbst in den Mittelpunkt gerückt. Dr. Wolfgang Antweiler, Leiter des Fabry-Museums, und sein Stellvertreter Bernd Morgner haben ganze Arbeit, geleistet, um den Medicus in all seinen Facetten vorzustellen. So sind neben bekannten Dokumenten aus Hilden auch Auszüge aus einem Testament von 1631 zu lesen. Neben seinen Instrumenten und Büchern erbte Fabrys Sohn Johannes auch die Verpflichtung, die Notizen seines Vaters an die Nachwelt weiterzugeben. Wie umfangreich Fabrys Kontakte in einer Zeit ohne Telefon und E-Mail schon waren, dokumentiert eine eigens erstellte Landkarte von Europa. Daneben hängen zahlreiche Porträts seiner Briefpartner, unter anderem sein Förderer Karl Utenhoven und der Theologe Johannes Gerhard. Dass der gebürtige Hildener äußerst belesen war, beweist eine Wandtafel, die alle Autoren aus seiner Bibliothek, darunter Cicero, Platon und Seneca, aufführt. Unter Glas sind wertvolle Bücher, etwa das des Aulus Cornelius Celsus in einer rezipierten Version von 1566, zu bewundern. Der Anatomie ist ein eigener Raum gewidmet, in dem neben Fabrys „Kurzer Beschreibung der Anatomie“ Studien des menschlichen Skeletts und Körperbaus aus dem Jahr 1530 zu sehen sind. Außerdem das imposante „Anatomische Theater“ aus Leyden, in dem öffentliche Sezierungen durchgeführt wurden.
Mit neun medizinischen Themen, denen der Wundarzt sich besonders widmete, wartet der Vitrinenraum auf. Zwar hinter Glas, doch direkt an den Betrachter wenden sich seine Originaltexte: „Alles muss schnell, sicher und genau verrichtet werden“, lautet seine Empfehlung für die Amputation. Daneben werden Fallbeispiele, Krankheitsverläufe und Heilmethoden aus Fabrys berühmten „Observationes“ gezeigt. Natürlich auch die Instrumente seiner Zeit, mit denen der Wundarzt Kugeln entfernte, Schädel öffnete, einen Aderlass durchführte oder Blasensteine entfernte.
Antweiler und sein Team haben für die neue Ausstellung viele Exponate aus dem „Deutschen medizinhistorischen Museum - Ingolstadt“ entliehen, um Fabrys Wirken anschaulich zu machen. Zur Ausstellungseröffnung darf man sich auf außergewöhnliche Cembalo- und Viola da gamba-Musik von Marin Marais freuen.

Abb.: Dr. Wolfgang Antweiler (rechts) und Bernd Morgner fassen die kostbaren Schriften nur mit Handschuhen an. Für die Ausstellung verschwinden die Exponate unter Glas. Foto: Anja Tinter

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