Gelungener "Simpicissimus"-Maraton

„Es wird keine Minute langweilig“, hatte er gesagt. Peter Welk, Kopf des Tête-à-Têtes, hielt sein Versprechen. 45 bis 50 Zuschauer haben sich am Samstag und Sonntag insgesamt acht Stunden lang auf das Abenteuer „Simplicius Simplicissimus - „Du bist morgen nicht wie heut“ in der Stadtbücherei Hilden eingelassen. Brigitte von Bülow, seit Jahren Fan der Veranstaltungsreihe, schwärmte: „Hellauf begeistert sind wir.“ Und ihr Mann Rolf fügte hinzu: „Hervorragend auf die Bühne gebracht. In Welk hat Hilden einen Entertainer gefunden.“

von Astrid Schoene
Quelle: Rheinische Post, Dienstag, den 23. Februar 2010
Peter Welks (Mitte) freier Nacherzählung des Schelmenromans
Ein tolles Ensemble war zu sehen und zu hören, alles Meister ihres Fachs: Komponist Thomas Peter-Horas am Klavier und Akkordeon, ihm zur Seite Ulrike Fröhling, Virtuosin am Fagott und an unterschiedlichen Blockflöten. Die Sängerin Margarethe Bessel mit Samtbarett und historischem Gewand ein leuchtender Farbklecks. Und mit Eva- Maria Coenen die fantastisch modulierende Erzählerin. Sie und Welk begeisterten das Publikum mit den blumigen, derben, schrägen, philosophischen Wortschöpfungen aus dem Schelmenroman.

Sprachliches Dickicht
Peter Welk als Simplicissimus führte durch das sprachliche Dickicht, kostete das herrlich Pathetische und den sprühenden Witz, das Abenteuerliche der Dichtung von Grimmelshausen wie gewohnt in jeder Tonlage, jeder Nuance aus. Die Zuschauer tauchten in diese barocke, kriegslüsterne Zeit hinein und begleiteten den Helden, der nicht Tod und Teufel fürchtet: Ein Räuber, ein hitziger „rastloser Tollkopf“, ein ganzer Kerl, auch in lustvollen Liebesabenteuern. Es sind Verse von eigensinniger Spannung, die die Vorstellungskraft beflügelten. Und wundervoll umkreiste sie, gleich verführerischen Klanglichtern, die umrahmende Musik. Thomas Peter-Horas hat sie wie ein Hauch Spielmannsweisen geschaffen: tänzerische pulsierende Rhythmen, neben ruhigen, romantischen oder meditativen Melodienbögen. Stimmungsvolles, angepasst der Sprache und mit Flöten-, Akkordeon- und Klavierspiel virtuos dargeboten. Mit berückendem Charme, ausdrucksstark und mit herrlich warmen und samtenen Sopran verzauberte Margarethe Bessel in den begleitenden Balladen und Sonetten.

„Erwartungen erfüllt“
Simplicius wird auch im letzten Teil seines Lebens von einem Abenteuer ins nächste gestoßen. Er ist arm, von Blattern gezeichnet, wird zum Landstreicher und Quacksalber. Mit seinen Worten: „Adieu Welt, denn auf dich ist nicht zu trauen, noch von dir nichts zu hoffen…“ endete die Hildener Fassung. Wie im Fluge sei die Zeit vergangen, meinte Helga Knoblich. Und Monika Doerr vom Hildener Kulturamt resümierte nach Abschluss des mehrstündigen Projekts erfreut: „Meine hohen Erwartungen haben sich mehr als erfüllt.“

Abb.: Brigitte und Rolf von Bülow waren hellauf begeistert von Peter Welks (Mitte) freier Nacherzählung des Schelmenromans. Foto: Olaf Staschik

zurück