Heilkräuter und Renaissance-Jazz

Interview mit Dr. Wolfgang Antweiler über das umfangreiche Programm zum Fabry-Jahr. Mit über 130 Veranstaltungen, die mal Vorschulkinder, mal Bildungsbürger ansprechen, soll der Begründer der wissenschaftlichen Chirurgie in seiner Geburtsstadt geehrt werden.

von Stefanie Mergehenn
Quelle: Rheinische Post, Montag, 4. Januar 2010
Seit knapp 19 Jahren leitet Stadtarchivar Wolfgang Antweiler auch das Fabry-Museum. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Bernd Morgner und Stadtmarketing-Geschäftsführer Volker Hillebrand hat der promovierte Historiker ein umfangreiches Programm zum Fabry-Jahr konzipiert, über das jetzt RP-Redakteurin Stefanie Mergehenn mit ihm sprach.
Herr Dr. Antweiler, am Freitag haben Sie dem Auftakt des Fabry-Jahres in der Reformationskirche gelauscht. Was steht noch auf dem Programm?
Antweiler Über 130 Veranstaltungen bis Ende des Jahres. Dabei war uns wichtig, dass sich diese nicht nur an Akademiker richten. Wir wollen Wilhelm Fabry ja allen Generationen und Bürgern nahebringen.
Wie kann das funktionieren?
Antweiler Indem wir schon die Jüngsten in seine Epoche mit hinein nehmen. In den Kindertagesstätten werden beispielsweise Beete mit Heilkräutern angelegt, die der bekannte Wundarzt verwendet hat. Und eine Referendarin wird im Laufe des Jahres dritte und vierte Klassen besuchen, um mit ihnen Fabrys 450.Geburtstag zu feiern...
...der ja erst am 25.Juni ist.
Antweiler Richtig. Dieses ganze Wochenende soll dann ja mit einem historischen Stadtfest den Höhepunkt des Fabry-Jahres bilden. Übers Jahr sind neben Lesungen, Konzerten und Ausstellungen auch Vorträge geplant. Darin kann man natürlich nicht 27 mal seine Biographie erzählen, sondern wir haben den interdisziplinären Ansatz gewählt, um Fabry ganzheitlich darzustellen - als Mediziner, Bildungsbürger, Familienvater und Christ.
Wobei er sich ja unter seinen Glaubensgeschwistern mit dem Plädoyer für Obduktion unbeliebt gemacht hat.
Antweiler Sicher war dies mit ein Grund, warum er lieber in der reformierten Schweiz als im katholischen Köln praktizierte - in Bern ist ja heute noch die Hildanusstraße nach ihm benannt. Dort sezierte er Leichen, um mehr über die Ursprünge der Krankheiten und die menschliche Anatomie zu erfahren. Denn Fabry war nie mit dem zufrieden, was er wusste - und mit seiner Vision des lebenslangen Lernens ein moderner Mensch. Dank seines ganzheitlichen Ansatzes fand er beispielsweise heraus, dass die physische Konstitution auch von so elementaren Dingen wie Essen, Trinken, Schlafen, Bewegung und Hygiene beeinflusst wird.
Mit dem Veranstaltungsreigen wollen Sie Hilden als „Fabry-Stadt“ etablieren. Inwieweit dürfte das Fabry-Jahr in die Region ausstrahlen?
Antweiler Schon jetzt stellen wir eine bundesweit wachsende Popularität Fabrys fest - was vielleicht auch daran liegt, dass wir im Vorfeld nicht nur Sachverständige aus Nordrhein-Westfalen, sondern auch aus Ulm, Erlangen, Ingolstadt, Heidelberg und Berlin kontaktiert haben. Und Axel Fischbacher plant zusammen mit Jazz-Musikern aus Hilden und Bern eine Jam-Session mit Renaissance-Improvisationen. Für die Klassik-Freunde gibt’s darüber hinaus im November die Marienvesper von Monteverdi, der ja ein Zeitgenosse Fabrys war.
Wie auch Galileo Galilei, Shakes- peare, Caravaggio ...
Antweiler Die alle irgendwann im Jahresprogramm auftauchen - Caravaggio zum Beispiel in Form einer Lesung von Tilman Röhrig, der überdies am 11.Januar vor Achtklässlern aus seinem Buch über den 30-jährigen Krieg lesen wird.
Mit „come&talk“ geht zudem ein neues Kulturformat an den Start.
Antweiler Ja, in vier Gesprächsforen sollen dabei gesellschaftspolitisch relevante Themen diskutiert werden - wie der „Burnout“ oder das würdevolle Altern. Wenn diese Reihe angenommen wird, wollen wir sie auch über das Fabry-Jahr hinaus fortführen. Wir wollen uns ja nicht am Ende des Jahres zurück lehnen und sagen „Das war’s jetzt“, sondern von den Impulsen profitieren.
Clemens Urbschat als Wilhelm FabryWilhelm Fabry alias Schauspieler Clemens Urbschat lebte von 1560 bis 1634. Foto: Olaf Staschik
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