Talkrunde: Arzt und Patient im Dialog

Kein Vortrag, sondern ein Meinungsaustausch stand am Mittwoch auf dem Programm: Mit einem neuen Kultur-Format „come&talk“ wollen die Initiatoren, allen voran Museumsleiter Dr. Wolfgang Antweiler, mit insgesamt vier Gesprächsabenden das Fabry-Jahr bereichern.

von Uli Schmidt
Quelle: Rheinische Post, Freitag, 29. Januar 2010
„Herr Doktor, ich glaube, ich weiß, was Sie meinen“, lautete der Titel der Premierenveranstaltung, den die Journalistin Birte vom Bruck und die Gesundheitsberaterin Ursula Zawada moderierten. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung sollen an weiteren drei Abenden Themen wie das Älterwerden, Burnout-Probleme in der Arbeitswelt sowie Leben und Sterben diskutiert werden.

Birte vom Bruck (li.) und Ursula Zawada moderierten bei „Come&Talk“ im Fabry-Museum. RP-Foto: Staschik<br />
Acht Minuten pro Patient
Zum Auftakt ging es jetzt im Fassraum des Fabry-Museums um die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Durchschnittlich acht Minuten hat ein Mediziner Zeit für seinen Patienten. Mit immerhin 18 Konsultationen pro Jahr sind die Deutschen europäische Spitzenreiter in Sachen Praxisbesuche. Birte vom Bruck und Ursula Zawada stellten einleitend die allgemeine Problematik menschlicher Kommunikation vor. Fragen wie „Was erwarte ich überhaupt von einem Arzt?“, „Welchem Menschen begegne ich?“, „Kann ich ihm vertrauen?“, haben, so erklärten die professionellen Moderatorinnen, sehr häufig mit Glaubenssätzen und Projektionen zu tun, die wir uns im Laufe des Lebens aneignen. Die interessierte Diskussionsrunde spiegelte dementsprechend unterschiedliche Meinungen aus Patientensicht. Während der eine beim Doktor ausschließlich einen Gesundheits-Check-Up und im Krankheitsfall die richtige Diagnose erwartet, ist für andere die ganzheitliche Sichtweise auf den Patienten, die auch seine Lebensumstände und Gefühle mit einbezieht, von großer Bedeutung. Eine Diskussionsteilnehmerin, die offenbar aus Erfahrung sprach, berichtete von der „Ware Gesundheit.“ Häufig verliefen Arztbesuche nach dem Motto: „Ich zahle so viel Krankenkassenbeitrag. Dann will ich auch was davon haben.“

Prävention statt Operation
Placebo-Effekte als bestes Heilmittel, Prävention statt Operation, aber auch das Annehmen einer Krankheit wurden im Laufe des Abends ebenfalls erörtert. „Man wünscht sich Heilung. Und es gibt unterschiedliche Vorstellungen, wie sie erreicht wird. Wie frustrierend muss das oft für den Arzt sein?“, fragte eine Teilnehmerin. Wohl deshalb seien Heilpraktiker, Natur-Medizin, Physiotherapeuten und Psychologen so gefragt. Wenn auch bewusst die Gesundheitspolitik ausgeklammert wurde, hat der „come&talk“-Abend viele Denkanstöße gegeben.

Foto: Birte vom Bruck (li.) und Ursula Zawada moderierten bei „Come&Talk“ im Fabry-Museum. Foto: Olaf Staschik

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