Fahrendes Volk ist in der Stadt

Der Alte Markt macht seinem Namen an diesem Wochenende alle Ehre. Als Reminiszenz an den Freitag vor 450 Jahren in Hilden geborenen Wundarzt Wilhelm Fabry verwandelt er sich für drei Tage zu einem mittelalterlichen Handelsplatz und bietet dabei Einblicke in eine längst vergangene Zeit.

von Slawomir Johns
Quelle: Westdeutsche Zeitung, Freitag, den 25. Juni 2010

Der historische Markt bildet dabei sowohl den Start- als auch Schlusspunkt für ein Festwochenende, das den Höhepunkt des Fabry-Jahres 2010 markiert und die Menschen ins damalige Umfeld des berühmtesten Sohnes der Stadt hineinversetzen soll.
Um 14 Uhr wurde der Markt offiziell eröffnet. Janina Reuter (34) ist zu dieser Zeit in der City, nichtsahnend erreicht sie mit einer Freundin den Marktplatz und staunt nicht schlecht ob der feil gebotenen Antiquitäten und einiger altertümlicher Kostüme. „Ich wusste davon überhaupt nichts. Im ersten Moment war es deshalb schon ein etwas komischer Anblick, als mir ein Mann mit einem Bärenfell auf der Schulter über den Weg lief.“

Scherenschleifer
Die Besucher können sich auch selbst ein Hufeisen schmieden
Doch Janina Reuter und ihre Freundin blieben an den zahlreichen Buden hängen, so wie große Teile der restlichen Laufkundschaft auch. Die meisten Besucher sind aber extra des Marktes wegen gekommen. Sie sind auf der Suche nach schönen Schmuckstücken. Hannelore Muenster (66) etwa kauft sich einen Bilderrahmen: „Diese älteren Gegenstände sehen einfach toll aus und sind absolut zeitlos. Ich werde sicher auch an den nächsten Tagen nochmal vorbeikommen, die Atmosphäre hier gefällt mir sehr gut.“
Angeboten werden Schmuck, Taschen, Felle, Liköre – aber auch Kerzenleuchter, Schatullen, Edelsteine oder Töpferwaren. Die Besucher können sich auch eigene Hufeisen schmieden oder Schwerter kaufen, nichts scheint unmöglich bei dieser Zeitreise in die Vergangenheit.
Frank Cremer aus Essen ist diese Veranstaltungen gewöhnt, er bietet seine selbst gemachten Liköre häufig auf solchen mittelalterlichen Märkten an. „Im Vergleich ist dieser hier noch relativ klein, aber auf jeden Fall in sehr nettem Ambiente und gemütlicher Atmosphäre. Die Menschen sind auch sehr aufgeschlossen und interessiert.“
Sein Honigbier und Piratenblut locken die Erwachsenen ebenso an wie Feengold und Koboldfeuer, zur kulinarischen Stärkung gibt es deftiges Wildfleisch und Gemüse. Über den Tag verteilt zeigen Schwertkämpfer ihre Künste, Kinder hören gespannt der Märchenerzählerin Fabulix zu, und Dudelsäcke sowie Trommeln locken weitere Besucher an.
Abends schließlich entsteht bei Dutzenden von Kerzen und Öllampen eine ganz besondere Atmosphäre und Lagerfeuerromantik, die den Schein einer mittelalterlichen Kleinstadt noch mehr wirken lässt. Das Konzert „Farfarello im Licht“ in der Reformationskirche bot dabei den sinnlichen Abschluss eines ereignisreichen Tages.

Abb.: Scherenschleifer (hier Micha Schlüter an einer Schleifkutsche), Gaukler und Waffenschmiede verwandeln die Innenstadt drei Tage lang in einen mittelalterlichen Markt. (Foto: Anna Schwartz)
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