Ein Teufelsgeiger im Gotteshaus

Ein buchstäbliches „Highlight“ war das Farfarello-Konzert zum Auftakt des Fabry-Wochenendes in der ehrwürdigen Reformationskirche. Mani Neumann, Ulli Brand und Lichtkünstler Jörg Rost versetzten das Publikum in einen fast synästhetischen Rausch aus Klang und Farben.

von Frank Erkelenz
Quelle: Rheinische Post, Montag, den 28. Juni 2010
Es gibt Konzerte, da hören sogar die Augen mit. Die Reihe „Farfarello im Licht“ gehört zu dazu. Am Freitag führte sie die Hildener Urgesteine Mani Neumann und Ulli Brand zu einem Heimspiel in die Reformationskirche. Leider stand die Anzahl adäquater Plätze nicht im Verhältnis zu den verkauften Karten, so dass mancher bereits vor Beginn des buchstäblich Highlights enttäuscht den Heimweg antrat. Wer geblieben war und einen Platz zumindest mit Teilsicht auf den Kirchenraum ergattert hatte, erlebte einen akustischen und optischen Hochgenuss.
Farfarello im Licht
Denn bei „Farfarello im Licht“ ergänzt der Schwerter Lichtkünstler Jörg Rost das musikalische Geschehen mit einer perfekt auf die Musik abgestimmten Performance, die das Kircheninnere mal in sanftes Licht tauchte, um gleich darauf eine geradezu mystische Atmosphäre zu zaubern. Beim einleitenden „Weite Felder“ ließ Rost farblich die Sonne auf- und wieder untergehen, das uralte mazedonische „Jovano“ wurde auch optisch zur Liebeserklärung an das gleichnamige Mädchen.
Die auf das Ursprüngliche reduzierte Farfarello-Musik hatte ihren besonderen Reiz. „Teufelsgeiger“ Mani Neumann verzichtete auf ausgedehnte Ausflüge auf seinem Instrument, brillierte aber dennoch (oder gerade deswegen), Ulli Brand sorgte mit seiner Ovation für den treibenden Rhythmus, fand aber auch Gelegenheit zu solistischen Ausflügen. Und dann gab es ja noch einen dritten Musiker, der den Hörgenuss erst komplett machte: Professor José Cortijo gesellte sich erstmals als Percussionist zu den kongenialen Partnern. Unbeschreiblich, mit welcher Präzision der Spanier den Druck der Gitarre verstärkte. Vor allem das Cajon, Schlaginstrument und Sitzgelegenheit zugleich, sorgte für mächtigen Drive, der die Geige anzuspornen schien. Farfarello hatte neben einer Menge aus dem „Classics“- Programm auch einige neue Stücke aus der anstehenden CD „Glück“ im Repertoire, die Vorfreude auf den Silberling weckten. Doch gerade die Klassiker wie Thomas Kagermanns „Journey to Bali“ ergänzten sich mit Jörg Rosts Lichtschau zu einer stimmungsvollen Melange.
Zudem sorgte eine geschickte Titelauswahl für eine perfekte Dramaturgie. Mit „Brandung“ und „Unter dem Flüsterbogen“ leiteten die Musiker zum opulenten „Finale“ über, bei dem auch Rost nochmals alle Register zog. Wer das wunderbare Schauspiel verpasst hat (oder frustriert heim gegangen war), sollte sich den kommenden Sonntag vormerken. Dann gibt es die Wiederholung von „Farfarello im Licht“, wobei sich Kunze-Bassist Joschi Kappl als dritter Mann zu Brand und Mani Neumann gesellt. Auch da werden die Ohren sicher wieder Augen machen.

Foto: Olaf Staschik

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