Generationen für Fabry vereint

Über 100 Musikschüler, Tänzer und Laien-Darsteller zwischen 7 und 77 Jahren studieren seit Herbst die Barock-Oper „Der Bürger als Edelmann“ ein. Ende April kommt der Höhepunkt des Fabry-Frühjahrs auf die Bühne.

von Stefanie Mergehenn
Quelle: Rheinische Post, Mittwoch, den 24. März 2010
Annika Lückebergfeld mit Zupfern
Der Höhepunkt im „Fabry-Frühjahr“ (Museums-Leiter Wolfgang Antweiler) wirft seine Schatten voraus: Nachdem über 100 Sänger, Tänzer, Musiker und Schauspieler seit Herbst letzten Jahres für die Barock-Oper „Der Bürger als Edelmann“ proben, werden die Ergebnisse der einzelnen Ensembles jetzt zusammengegossen: Am 24. April feiert die Ballett-Komödie von Molière und Jean-Baptiste Lully in der Hildener Stadthalle Premiere. Dafür proben die Sieben- bis 77-Jährigen in den kommenden Wochen gemeinsam - von der jüngsten Blockflötistin über den Hauptdarsteller Christoph Kranz bis hin zur ältesten Tänzerin.
Das Thema der vor 340 Jahren uraufgeführten Komödie ist aktueller denn je: Der Wunsch, berühmt zu sein, ist ja vielen Möchtegern-„Superstars“ nicht unbekannt. Wenigstens in zwei Vorstellungen ist dies jetzt den Musikschülern, Laiendarstellern und Tänzern vergönnt, die sich teilweise bei Castings für ihre Rollen profilieren konnten. „Es ist schon eine besondere Herausforderung, mit Laien zu arbeiten“, sagt Regisseur Michael Seewald. Den Abteilungsleiter „Darstellendes Spiel“ an der Folkwang-Musikschule Essen beeindruckt um so mehr das „unglaublich ambitionierte, gut präparierte Ensemble“.

Tanzlehrer Sandor Pergel und Tänzerin
Für die Vorbereitung sind neben den Tanzpädagogen Laura Lieveld-Gross und Sandor Pergel, Gesangslehrerin Anja Paulus und Mandolinen-Lehrerin Annika Lückebergfeld auch Dirigent Rafael Behrerns und Sigrun Lefringhausen zuständig. Die beiden hatten unter anderem in der Utrechter Universitätsbibliothek nach Opern aus der Fabry-Zeit gesucht, die man mit Tanz-Einlagen anreichern konnte. „Wir spielen ja ständig Menuette, haben aber noch nie eins getanzt gesehen“, freut sich die Flötenlehrerin schon auf die Aufführung. Der Schatz, den sie schließlich ans Tageslicht holten, musste erst einmal behutsam von viereinhalb auf zwei Stunden heruntergekürzt und die französische Originalfassung von Anja Paulus in singbare deutsche Verse übersetzt werden. „Alles andere hätten wir den Besuchern nicht zumuten können“, meint Intendant und Musikschul-Leiter Karl Hentschel, der die Barock-Oper als „Fest für die Sinne“ feiert.
Für den Augenschmaus sorgt Angelika Opgenoorth vom gleichnamigen Tanzstudio. Sie fertigt nicht nur die Kostüme - „Um den fast zwei Meter großen Darsteller des Monsieur Jourdain einzukleiden, brauche ich eine Trittleiter“ -, sondern hatte auch die Idee, Masken und Pantomime in die moderne Inszenierung zu integrieren. Bühnenbild und Kulissen werden projiziert. „Wir hätten viel kleinere Brötchen backen müssen“, bekennt Hentschel, „wenn unsere Produktion nicht großzügig gefördert worden wäre“. 10.000 Euro gab’s vom Land und 17.000 Euro aus dem städtischen Topf fürs Fabry-Jahr.

Fotos: Ian Dylewski

zurück