Ein Fest für Augen und Ohren

In einer mitreißenden Aufführung präsentierten Das Junge Tanzforum und die Musikschule Hilden in der Stadthalle die Barockoper „Der Bürger als Edelmann“. Mehr als 100 Akteure standen auf der Bühne.
von Astrid Schoene
Quelle: Rheinische Post, Montag, den 26. April 2010
Auftritt
Es war eine Premiere nach Maß. Respekt vor diesem Laienensemble! Mehr als 100 Sänger, Tänzer, Musiker und Schauspieler entführten am Wochenende in der ausverkauften Stadthalle ihr Publikum in die höfische burleske Welt von Molières „Der Bürger als Edelmann“. Genüsslich prangert der Barockdichter in dem Comédie-Ballett, komponiert von Jean-Baptiste Lully, Dummheit, Heuchelei und Standesdünkel an. Alles dreht sich um Monsieur Jourdain. Neureich, selbstgefällig, eitel und dumm ist er. Und er giert nach Adelswürde. Dafür braucht er höfische Bildung wie Tanz und Fechten. Auf seinem Weg in erlauchte Kreise gerät er in die Fänge des Gauners Dorante.
Heitere Commedia-dell’arte-Szenen, Liebesverwirrungen und eine saftige Portion Intrige garantierten ein lachendes Publikum. Auch dank der hervorragenden Regie von Michael Seewald. Er hat ein Händchen für ein Gesamtkunstwerk, für Ideenreiches, Spritziges, aber auch Ruhiges, Subtiles, ganz im Geiste der Barockmusik. Und diese sprühte und funkelte nur so aus dem Orchestergraben. Sehr engagiert leitete Rafael Behrens sein hochmotiviertes Orchester, frisch und federnd spielende Blockflöten- Mandolinen- und Streicher-Ensembles. Und oben auf der Bühne, entzückte die Zuschauer eine stilecht kostümierte und gepuderte Continue-Gruppe. Ein Fest für Augen und Ohren. Glänzend das sängerische und schauspielerische Potenzial. Allen voran Christoph Kranz. Köstlich seine Parodie als eitler, schmollender, träger Tollpatsch Jourdain, dem das Adelsparadies winkt. Beachtlich die Bühnenpräsenz der Gesangsolisten mit klaren, lyrischen, exzellent geschulten Stimmen, vom Quintett bis zur Arie. Und wie sie darstellerisch auftrumpften in Mimik, Gestik, Artikulation.
Ein Kabinettstückchen zeigt Benedikt Bernbeck, als er dem tumben Jourdain pfiffige Sprach-Lektionen erteilte. In protzigem Goldbrokat gewandet, punktet Andreas Hall baritonal und mimisch in der Rolle als schleimiger Widerling Dorante. Eine Augenweide war das Ballett. Mal anmutig grazil im Menuett, in der Sarabande, mal dynamisch in spanischen Tänzen, mal fast surreal in Pantomime, umrahmte es reizvoll das Bühnengeschehen. Und sein Chef Sandor Pergel setzte mit einem virtuosen Harlekin-Solo eins drauf.
Das i-Tüpfelchen war aber neben den großartigen Masken und Perücken die ungeheure Farben- und Formenpracht der Kostüme. Angelika Opgenoorth hat mit Liebe zum gestalterischen Detail authentische Kostbarkeiten geschaffen. So manches Stadttheater würde vor Neid erblassen. Am Ende bejubelte das Publikum lange die überragende Ensembleleistung.

Abb.: Musik, Gesang, Darstellung, Tanz, Bühnenbild und Kostüme wurden zum Gesamtkunstwerk. Foto: Olaf Staschik

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