Wie Künstler Wilhelm Fabry sehen

Die Tür zum Ausstellungsraum ist gleichzeitig Anfang und Ende der ´Bandbreite 24´. Mit insgesamt 90 Bildern liefern mehr als 30 Künstler ihren kreativen Beitrag zum Fabry-Jahr.

von Uli Schmidt
Quelle: Rheinische Post, Montag, den 17. Mai 2010
Der Titel der Schau, die seit über zwei Jahrzehnten traditionell alle zwei Jahre im Haus Hildener Künstler zu einem anderen Thema gestaltet wird, ist von dem vorgegebenen Bild-Format abgeleitet: Jedes einzelne Werk muss das Maß ´24 mal 30´ einhalten. Aneinandergereiht ergibt sich dann ein Band in Augenhöhe, das sich um alle vier Wände des Ausstellungsraumes zieht. So entsteht auch Freiraum für den Betrachter, der sich von diesem Breitband leiten lassen kann, oder es unterbricht. Vielleicht verharrt, vergleicht.

´Bandbreite 24´ heißt die Ausstellung im Haus Hildener Künstler.
Individuelle Handschrift
Sehenswert ist die Vielfalt der Interpretationen zum Thema ´Wilhelm Fabry und seine Zeit´ allemal: Fotos, Collagen, fein Gestricheltes oder kräftig Koloriertes. Jeder Künstler des Vereins konnte Arbeiten seiner Wahl zum Thema einreichen. Auch ohne Namensnennung erkennt man die individuelle Handschrift. Ganz offensichtlich stammt die Collage ´Fabrys kleine Reiseapotheke´ (kleine Kräutersäckchen), vom selben Künstler, der auch Samtbeutel rahmt. Gegenüber leuchten Sonnen beschienene Kräuter-Felder, Rosmarin und Zitronenmelisse von Fotos, die Sehnsucht nach Süden mit Information verbinden. Fabry, der berühmte Sohn Hildens, dessen 450. Geburtstag seine Heimatstadt dieses Jahr feiert, wird von einem anderen Kreativen mit dem noch prominenteren Neandertaler in Beziehung gebracht. Zu sehen ist: Ein gemalter Schädel in Entwicklung zum Styropor-Relief des großen Mediziners.

Kneifzange an der Tür
Wie unterschiedlich Künstler das Leben und Wirken Fabrys interpretieren, beweisen auch Arbeiten, die beispielsweise ein Foto des Geburtshauses als Grundlage nehmen. Oder Texte zu seiner Biografie verarbeiten. Oder sein Gesicht mit alten Instrumenten umrahmen. Ein Heiligenschein´ Auch hier liegt die Interpretation bei dem Betrachter. Das seltsame, wurmähnliche Gebilde, das sich auf rosa Schaumstoff schlängelt, die Hexen-Maske mit Spitzenhaube, die aus dem Rahmen fällt, oder die Kneifzange an der Tür, die von einem Gummihandschuh gereicht wird - alles zusammen dokumentiert die individuelle Auseinandersetzung mit dem Medicus. Zur Orientierung hängen im Reigen der Bilder immer wieder Jahreszahlen, die auf die wichtigsten Stationen in Fabrys Vita aufmerksam machen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Mai in der Hofstraße 6 zu sehen: samstags von 16 bis 18 Uhr, sonntags von 14 bis 18 Uhr, Pfingstmontag von 14 bis 18 Uhr.

Abb.: ´Bandbreite 24´ heißt die Ausstellung im Haus Hildener Künstler. Foto: Staschik

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