RP SERIE WILHELM FABRY (10)
Der Wander-Chirurg

Wilhelm Fabry musste nicht nur im wahren Leben oft umziehen. Auch das Denkmal, das die Hildener ihm 1910 gesetzt haben, wechselte oft seinen Standort. Zurzeit wird sein Sockel für den 450.Geburtstag restauriert.

von Uli Schmidt
Quelle: Rheinische Post, Donnerstag, den 12. November 2009
Fabry Denkmal 1911
„Heute Vormittag, 11.30 Uhr, am 350. Geburtstag des berühmten Arztes und Gelehrten Wilhelm Fabricius Hildanus, erfolgte die Grundsteinlegung des Denkmals, das ihm seine Vaterstadt als ihrem größten Sohne setzen wird“, berichtet das Rheinische Volksblatt am 25. Juni 1910. Kaiser Willhelm II. und Otto Fürst von Bismarck nahmen schon die prominenten Plätze auf dem Markt ein. Für Fabry wurde nach langen Diskussionen der Bahnhofsvorplatz gewählt.
Arnold Künne, ein damals bekannter Berliner Bildhauer, erhielt im März 1911 den Auftrag, eine ein Meter hohe Bronzebüste zu fertigen. Ebenso ein Bronze-Relief, das als Schmuck für das 2,50 Meter hohe Postament gedacht war. Das Relief zeigte Fabry als Samariter, nach einem Gemälde des bekannten Worpsweder Malers Hans am Ende. Kosten einschließlich der Gärtnerarbeiten: 4800 Mark, von denen die Stadt 2600 übernahm. Der Rest kam schon damals durch Spenden zusammen.
Am 2. Juli 1911, ein Jahr später - und eine Woche verspätet - blickte Fabricius dann endlich offiziell vom Muschelkalksockel. Aber er musste - als Statue wie auch im wahren Leben - viel umziehen. Zunächst wegen neuer Bauarbeiten der Eisenbahn: 1921 wurde sein Denkmal an die Ecke Heiligen- und Kirchhofstraße, gegenüber dem Friedhof, versetzt. Schon sechs Jahre später in eine öffentliche Grünanlage zwischen Bahnhof- und Feldstraße. Immerhin behielt der kluge Kopf in dieser „Fabricius-Anlage“ 30 Jahre den Überblick. Fast aber wäre die Bronze-Büste 1942 den Nazis zum Opfer gefallen, hätte es nicht einen Bittbrief vom damaligen Ortsgruppenleiter Heinrich Thiele an Hermann Göring gegeben. „Denkmal nicht entfernen! Erhaltung mit allen Mitteln sichern!“, telegrafierte der Reichsmarschall zurück.
Fabrybüste
Gegen städtische Bauvorhaben nach dem Krieg (an der jetzigen Poststraße) war der prominente Arzt ab 1962 nicht versichert. Er wurde eingelagert. Sein Postament und Relief Opfer der Geschichte. Als neue Standorte wurden ab 1965 Holterhöfchen und der Markt diskutiert. Schließlich kam die Fabry-Büste 1969 im Vorgarten des ehemaligen Kulturamtes an der Mittelstraße auf einen neuen Sockel, den der Hildener Bildhauer Hans Peter Feddersen gestaltete. Aber für den Neubau der Stadtsparkasse 1974 musste Wilhelm erneut umziehen, diesmal vor die Reformationskirche.
Der Museums- und Heimatverein wird anlässlich seines 450. Geburtstages dem weltberühmten Sohn der Stadt ein modernes Podest errichten: aus Grauwacke und zehn Zentimeter tiefer als früher, damit sich Fabricius, die Hildener und alle seine Bewunderer auf Augenhöhe begegnen können.

Fabrys Spuren
Fabriciusstraße
Wurde schon 1906 unter dem Namen Fabry-Straße im öffentlichen Adressbuch geführt. Im Februar 1934 erfolgte die Umbenennung in Fabriciusstraße. Sie führt aus Richtung Bahnhof zur Eller Straße.
Marie-Colinet-Straße Eine Zuwegung von der Berliner Straße in ein Wohngebiet erhielt 1991 den Namen der Fabry-Gattin.
Wilhelm-Fabry-Realschule Die 1955 gegründete Knaben-Real-Schule wurde 1960 auf den Namen getauft. Seitdem steht hier die zweite Fabry-Bronzebüste, gearbeitet von dem Hildener Künstler Hans Peter Feddersen.
Fabricius-Sporthalle Sie steht seit den 50er Jahren an der Lindenstraße im Süden der Stadt und wird demnächst abgerissen.

Abb. 1: Postkarte, Fabriciusdenkmal in Hilden um 1911 auf dem Bahnhofsvorplatz, Stadtarchiv Hilden
Abb. 2: Die Fabry-Büste am alten Markt bekommt einen neuen Sockel. Den schenkt ihm der Museums- und Heimatverein zum 450. Geburtstag. Foto: Olaf Stachik


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