Fabry wie er swingt und lacht

Wilhelm Fabry freute sich gestern auf dem alten Markt über die vielen Gratulanten zu seinem 450. Geburtstag und besonders über das klangvolle Ständchen des Sinfonischen Blasorchesters, mit dem das dreitägige Fest begann.

von Stefanie Mergehenn
Quelle: Rheinische Post, Samstag, den 26. Juni 2010
Glitt nicht ein Lächeln über das steinerne Antlitz der Büste im Schatten der Reformationskirche? Wilhelm Fabry schien beseelt: Ganz Hilden und noch viel mehr Volk war gestern unterwegs, um seinen 450.Geburtstag zu feiern. Manche gar so früh wie der Brezelbäcker, der schon um kurz nach Neun die Scheite für seinen Holzofen spaltete – nur einer der mittelalterlichen Handwerker, die bis Sonntagabend dem alten Markt das Flair der Renaissance verleihen.
Orchesterleiter Thomas Volkenstein (Mitte am Pult) hatte die 60 Mitglieder des Sinfonischen Blasochesters Hilden bei der gestrigen Eröffnung des Fabry-Festwochenendes auf dem alten Markt bestens im Griff.

Kirschbier versüßt Kulturgenuss
Bevor Bürgermeister Horst Thiele am Nachmittag das dreitägige Spektakulum offiziell eröffnete, stimmten Dudelsack-Spieler und Märchen-Fabulierer die Passanten bereits auf das mittelalterliche Marktgetümmel ein. Und natürlich die Gasthütten: „Seid gegrüsst, Holde, mal kosten?“ Die freundliche Maid, die da ihr belgisches Kirschbier feilbot, brauchte sich ebensowenig wie der langmähnige Wirt von der gegenüberliegenden „Drachenbergschänke“ um Kunden sorgen: An die 250 Besucher strömten bei strahlendem Sonnenschein auf den alten Markt, um dem 90-minütigen Geburtstagsständchen des Sinfonischen Blasorchesters der Musikschule Hilden zu lauschen. Zum Auftkat gab’s die barocke Fanfaren-Sinfonia von Jean-Joseph Mouret – worauf es sich der Jubilar nicht nehmen ließ, persönlich vorbei zu schauen. Nachdem Bürgermeister Horst Thiele einen kurzen biografischen Abriss über den Vater der modernen Chirurgie gegeben hatte („Wir Hildener können stolz auf unseren berühmtesten Sohn sein“), erschien – in Gestalt des Laiendarstellers Clemens Urbschat – das Geburtstagskind, um seine Gäste zu begrüssen.
Der pensionierte Lehrer der Fabry-Realschule Clemens Urbschat (r.) schlüpfte zur Freude von Bürgermeister Horst Thiele noch einmal ins Gewand des Medicus.
Nur sein ständig rutschender Bart („Das ist die Wärme“) und das Mikro („Das gab’s zu meiner Zeit noch nicht“) bereiteten ihm etwas Probleme. Die hatten die knapp 60 Mitglieder des Sinfonischen Blasochesters Hilden (SBH) glücklicherweise gar nicht. Nach einem witzigen „Happy Birthday, lieber Wilhelm“-Arrangement von Robert Kuckertz, der als ehemaliger Leiter des Ausbildungsmusikkorps in der Waldkaserne auch mit dem SBH zusammengearbeitet hat, und dem schmissigen Klaus-Strobel-Marsch „Mit vollen Segeln“ kündigte der launige Moderator Olaf Methner ein Highlight an: die dreisätzige „New Baroque Suite“ von Henk van Lijnschooten. Das unter seinem Pseudonym Ted Huggens 1970 komponierte Werk schlug eine höchst klangvolle Brücke von der Fabry- in die Jetztzeit, auf der sich auch die ensemble-eigenen Solisten profilieren konnten. Nach einem Medley von Andrew Lloyd Webbers „Cats“-Melodien gab’s mit der Hildener Mezzosopranistin Julia Müller als „Elisabeth“ eine vokale Bereicherung, bevor das Orchester mit John Williams in unendliche Weiten abhob.

Abb. 1: Orchesterleiter Thomas Volkenstein (Mitte am Pult) hatte die 60 Mitglieder des Sinfonischen Blasochesters Hilden bei der gestrigen Eröffnung des Fabry-Festwochenendes auf dem alten Markt bestens im Griff.
Abb. 2: Der pensionierte Lehrer der Fabry-Realschule Clemens Urbschat (r.) schlüpfte zur Freude von Bürgermeister Horst Thiele noch einmal ins Gewand des Medicus. (beide Fotos: Olaf Staschik)

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