Jazz trifft Wilhelm Fabry

Interview Acht hochkarätige Jazzmusiker treffen sich am Samstag in Hilden zur Uraufführung von „The World Is Not A Disc“. Der Jazzgitarrist Axel Fischbacher hat das Auftragswerk als Beitrag zum Fabry-Jahr 2010 komponiert.

von Barbara Jakoby
Quelle: Rheinische Post, Dienstag, den 16. November 2010
„The World Is Not A Disc“ ist das Konzert überschrieben, bei dem am Samstag in Hilden eine Auftragsarbeit des Jazzmusikers Axel Fischbacher zum Fabry-Jahr 2010 uraufgeführt wird. RP-Redaktionsleiterin Barbara Jakoby sprach mit dem Komponisten.
Herr Fischbacher, Jazz und Wilhelm Fabry, wie geht das zusammen?
Axel Fischbacher
Fischbacher Indem man Musik aus Fabrys Zeit mit Elementen des Jazz zu einem neuen, manchmal auch schrägen Klangerlebnis zusammenbringt. Was ich aber auf keinen Fall wollte, ist ein Crossover. Die Stücke müssen so klingen, dass man merkt, sie sind von mir.
Welche Musik haben Sie zugrunde gelegt?
Fischbacher Die Suche danach gestaltet sich zunächst schwierig. Was ich aus Fabrys Zeit vorgefunden habe, waren meist schwere, eher humorlose Stücke. Ich wollte aber etwas Leichtes - und hab’ es dann auch gefunden, etwa bei Hassler, Prätorius und Sweelinck.
Nun ist Hasslers „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ ja nicht gerade leichte Kost...
Fischbacher Aber wenn man dem Choral einige Jazzakkorde unterschreibt und ihn von acht Vollblutmusikern spielen lässt, geschieht das Wunder des Jazz.
Wer sind die acht Musiker?
Fischbacher Peter Baumgärtner, Ulf Stricker und Christoph Hillmann (Schlagzeug), Christoph Grab (Saxophon), Daniel Schenke (Trompete), Robert Morgenthaler (Posaune und Alphorn), André Nendza (Bass) und ich (Gitarre).
Was versteckt sich hinter Titeln wie „Willem Goes To The Church“ und „La Colinette“?
Fischbacher Das erste ist ein Gospel, das zweite ein netter, kleiner Jazz-Walzer.
Das Konzert trägt - wie die CD - den Titel „The World Is Not A Disc“. Was will uns der Komponist damit sagen?
Fischbacher Das Titelstück nimmt Bezug auf die Zeit, in der die Menschen erstmals von dem Glauben abfielen, die Welt sei eine Scheibe. Die Komposition stellt das Schweizer Alphorn in den Vordergrund. Dieses Instrument tritt zu Fabrys Zeiten in der Schweiz zum ersten Mal als in Gruppen gespieltes Instrument in Erscheinung Das Alphorn, das heute leider vor allem als Folklorefetisch bekannt ist, kommt hier als Melodie und auch - ungewöhnlich - als Rhythmusinstrument zum Einsatz. „The World Is Not A Disc“ ist ein tanzbarer Funk, der mit wilder Spielfreude und virtuosen Soli die Möglichkeiten dieser ungewöhnlichen Band mit ihren drei Schlagzeugern ausgelotet.
Drei Schlagzeuger - braucht das Publikum da Ohrenschützer?
Fischbacher Nein, im Gegenteil, es wird erleben, dass man mit drei Schlagzeugen mehr als nur Lärm machen kann.
Jazzfreunden muss man ihr Konzert vermutlich nicht besonders ans Herz legen. Wie würden sie andere Musikliebhaber locken?
Fischbacher Sie werden erleben, dass Jazz alles enthalten kann: Schlager, Gospel und Kirchenmusik. Und alle Solisten sind natürlich eine Wucht.
Was passiert nach der Uraufführung am Samstag?
Fischbacher Die Auftragsarbeit im Rahmen des Fabry-Jahres ist in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Radio entstanden und es gibt eine CD, die am Samstag exklusiv in Hilden verkauft wird. 2011 gehen wir mit dem Programm auf Tournee.


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