Junge Talente in großen Rollen

Die Theater-Company Spettacolo unter ihrer Leiterin Barbara Engelmann glänzte im Fabry-Museum mit szenischen Installationen zum Fabry-Jahr: ´Nicht einfach krank - doch nicht gesund genug´.

von Astrid Schoene
Quelle: Rheinische Post, Montag, den 17. Mai 2010
Die elf Schauspieler der Theater-Company Spettacolo
Mit purer Spiellust und unglaublich viel Talent verblüffte die Theater-Company Spettacolo am Premierenabend ihr Publikum. Das ist im Faßraum des Fabry-Museums ganz nah dran, an den Schauspielern, an der Bühne, die sich offen und lebendig zeigt. Mit all den Requisiten und dem Blick auf ein gigantisches, aufgeschlagenes Buch.
Die Dramaturgin und Regisseurin Barbara Engelmann hatte für die Aufführung Texte berühmter Theaterliteratur bearbeitet, rund um die Themen Krankheit, Arzt und Patient. Filmische, akustische und musikalische Elemente begleiteten, amüsant und ideenreich die fünf Szenen. All das beschäftigte die Fantasie des Publikums.
Und natürlich das Spiel der elf Darsteller, die in unterschiedliche Rollen illustrer Gestalten schlüpften: in boshafte, heuchlerische, tragische, beklemmende und skurrile, wie die im ´Eingebildeten Kranken´. Wuchtige Klänge läuten die erste Szene ein. Stöhnend, mit wehleidiger Miene unter Damast-Häubchen, begrüßt Molières Hypochonder (Michael Rosentreter) die Profis von der heilenden Zunft. Argan liebt Ärzte, deshalb soll seine Tochter auch einen heiraten. Serviert wird eine vergnügliche Posse mit der frechen, spitzbübigen Toinette, alias Dorothee Flesch, Katja Surkova als charmante stumme Tochter und Doktor Diafoirus, (herrlich theatralisch, Eckard Muckelberg). Christopher Ketzer punktet als geistiger und physischer Tolpatsch.
Ein Angriff auf die Lachmuskeln beschert auch die nächste Szene, das wunderbar gefakte epileptische Intermezzo bei der Musterung des Felix Krulls. Eine Paraderolle für Christopher Ketzer. Mal lässig, gefügig, brav, dann wieder wortgewandtes Schlitzohr, das grimassiert, zuckt und so furios quasselt, dass Militärarzt (Clemens Urbschat, schön authentisch im Kasernenton) und Co entnervt ein ´Ausgemustert´ brüllen. Fast lautlos, im geheimnisvollen Dunkel verwandeln sich die Akteure.
Gänsehaut-Stimmung im nächsten Stück, in Hitchcocks ´Psycho´. Gruselig, nur hörbar, der Dialog zwischen Norman Bates und seiner toten dominanten Mutter. Grandios, mit Zwischentönen, verkörpert Michael Rosentreter den Psychopathen, beklemmend in Mimik und Gestik. Shakespeares poetischer Sprachzauber beeindruckt in den Giftszenen von Romeo und Julia. Julia Heydkamp bewegt als Julia, impulsiv, tanzend und flatternd wie ein Blatt im Wind, ausdrucksstark zwischen Angst und Hoffnung. Jan Widloks Romeo glaubt man den Seelenschmerz, die Verzweiflung in der Sterbeszene.
Am Ende, in Lutz Hübners ´Nellie Goodbye´ bleibt auch das Lachen im Halse stecken. Eindringlich zeigen Julia Heydkamp, Eva-Maria Jung, Dorothee Flesch, Julian Berg und Christopher Ketzer, wie sich der Tod ins Leben einer Rockband schleicht. Julia Heykamps facettenreiches Spiel als quirlige und todkranke Nellie geht unter die Haut.
Verdienter Beifall und Jubel für das Ensemble, das seine Regisseurin Barbara Engelmann mit einem filmischen Geburtstagsständchen überraschte.

Abb.: Die elf Schauspieler der Theater-Company Spettacolo boten den Premierengästen großes Theater. Foto: Staschik

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