Geburtstagsständchen riss mit

„Fabry lebe hoch!“ Unter diesem Motto huldigte der mit Düsseldorfern und Wuppertalern verstärkte Oratorien-Chor mit Mozart und Haydn dem Geburtstagskind des Jahres bei einem Festkonzert in der Stadthalle.

von Astrid Schoene
Quelle: Rheinische Post, Dienstag, den 16. November 2010
Da konnte es draußen noch so stürmen: Bei Mozarts „Krönungskonzert“ und Haydns „Jahreszeiten“ ging in den Herzen der Zuhörer die Sonne auf. Unter der Leitung von Franz Lamprecht boten in der ausverkauften Stadthalle der Oratorien-Chor Hilden, der Symphonische Chor Wuppertal, der Kammerchor Düsseldorf-Urdenbach und die Rumänische Staatsphilharmonie „Dinu Lipatti“ ein wunderbares Festkonzert.
Oratorienchor und die Rumänische Staatsphilharmonie „Dinu Lipatti“
Zierlich, mit wippendem Pferdeschwanz und leuchtend rotem Paillettenkleid, zog die junge Südkoreanerin Suk-Yeon Kim (siehe Info) alle Blicke auf sich. Und was die Pianistin da in Mozarts Klavierkonzert Nr. 26 D-Dur KV 537 („Krönungskonzert“) zeigte, war von den Tempi und harmonisch bestens mit dem Orchester abgestimmt. Das beeindruckte unter seinem langjährigen Dirigenten Lamprecht mit Mozartscher Leichtigkeit. Die Streicher reihten ihre leisen Töne aneinander, türmten sie auf, ließen sie zerfallen.
Kims Hände berührten kaum die Tasten, sie flogen darüber, nahmen die Violin-Motive auf, variierten sie und schickten sie zurück. Klangkaskaden rauschten an den Ohren der Zuhörer vorbei. Wie eine leichte Prise spielt Kim das Larghetto, und man ahnt, was Mozart so genial macht. Augen zu, genießen. Dann muss man sie öffnen - für das strahlende, atemberaubend farbige Allegretto. Heiterkeit ist Trumpf, auf den Tasten und im Orchester. Bravos, Beifallstürme für die Pianistin.
Ein Augenschmaus erfreute das Publikum nach der Pause. Zu Haydns Herbst- und Winter-Impressionen verwandelten sich die über 150 Chorsänger stilgerecht in ein buntes Landvölkchen, von erdig-bäuerlichen Gewändern bis zu schmucken Jagdkleidern. Auch Maestro Lamprecht dirigierte in Samtjoppe. Haydn hat die Herbst-Stimmung rund um Ernte, Jagd und Weinlese wunderbar eingefangen.
Das Solisten-Terzett sang das Lob des Fleißes. Mit warmer, einfühlsamer Sopranstimme gestaltete Adelheid Fink die Partie der Hanne. Tenor Erwin Feith glänzte als junger Bauer Lukas mit schönem Piano und Ausdrucksstärke. Alexis Wagner hingegen enttäuschte als Simon. Vielleicht indisponiert, hörte sich sein profunder Bass rau und belegt an. Präzise, mit feiner Intonation gelang hingegen dem Chor die Naturschilderung. Mit strahlendem Gesang machte er die Stimmungen (prächtig meisterten die Soprane die Höhen) erlebbar. Das unter den Händen Lamprechts hoch motivierte Orchester bestach mit luftigem Spiel. Was für eine Klangmalerei mit Scherz und Spiel, mit Buffoneskem, mit wilden Jagdszenen, mit Blitz und Donner, mit triumphierenden Jagdhörnern und berauschender, lustvoller Weinseligkeit. Der Winter kommt in chromatisch schleichenden c-Moll-Harmonien, mit Bildern erstarrender Natur. Dann geht es mit surrenden Streicher-Figuren in die warme Stube zum Singen und Spinnen. Am Ende lobpreisen die Sänger Gott in einem jubelnden Schlusschor. Unendlich langer Beifall.

Abb.: In bäuerlichen Kostümen gratulierten der Oratorienchor und die Rumänische Staatsphilharmonie „Dinu Lipatti“ unter Leitung von Franz Lamprecht in der ausverkauften Stadthalle dem Geburtstagskind des Jahres. Foto: anja tinter

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