Kunst und Heilkunst

Mit der Ausstellung „Fabry - Eichinger: Medizin und Ästhetik“ wagt der Reutlinger Kunstprofessor Henning Eichinger eine künstlerische Annäherung an den berühmtesten Sohn der Stadt Hilden.

von Barbara Steingiesser
Quelle: Rheinische Post, Donnerstag, 7. Januar 2010

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„Diese Ausstellung ist etwas Einzigartiges“, sagt Museumsleiter Dr. Wolfgang Antweiler, „denn sie wurde speziell für unser Haus entwickelt.“ Aus Anlass des 450. Geburtstages von Wilhelm Fabry, dem Begründer der modernen Chirurgie, zeigt das Wilhelm-Fabry-Museum ab Sonntag die Schau „Fabry - Eichinger: Medizin und Ästhetik. Eine künstlerische Annäherung an Wilhelm Fabry“.

Henning Eichinger im Wilhelm-Fabry-Museum
Erinnerte das Wort „Kunst“ in „Heilkunst“ zu Lebzeiten Fabrys ausschließlich daran, dass der Mediziner, speziell der Chirurg, eine gewisse künstlerische oder handwerkliche Begabung benötigt, um seinen Beruf ausüben zu können, so gibt es heute darüber hinaus den Zweig der ästhetischen Chirurgie, für den der Begriff „Kunst“ eine viel weitreichendere Bedeutung gewinnt. Hat sich das Verständnis vom Chirurgen als „Reparateur“, der den gottgegebenen Körper wiederherstellt, gewandelt zum „Body-Designer“? Dies ist eine der Fragen, denen sich Henning Eichinger, Professor für Zeichnerische Darstellung und Künstlerisches Gestalten an der Hochschule Reutlingen, während eines Forschungsfreisemesters widmete. Eichinger wurde 1999 bei der Themenausstellung „Hallo, mein Herz!“ vom Fabry-Museum mit dem 1. Preis ausgezeichnet und zeigte dort 2002 und 2006 gemeinsam mit der Bildhauerin Yvonne Kendall die Ausstellungen „Einschnitte - Incisions“ und „Home Alchemy“. Das Ergebnis seiner künstlerischen Auseinandersetzung mit Fabry und der Chirurgie hat sich in mehreren miteinander verflochtenen Werkreihen niedergeschlagen.

Herzstück der 97 Arbeiten umfassenden Schau ist ein Porträt Wilhelm Fabrys nach einem historischen Stich, in das Eichinger Abbildungen aus einem wissenschaftlichen Werk des Chirurgen sowie - als inhaltliche Verknüpfung mit der Ausstellung „Hallo, mein Herz!“ - eine Herzdarstellung aus seinem eigenen Oeuvre transplantiert hat. Den Bezug zur Gegenwart stellt der Künstler in einer Serie von Bildnissen her, in der er Zeitgenossen Fabrys aus Geschichte, Wissenschaft und Kunst neben Gesichtern unserer Medienwelt von Michael Jackson bis Lara Croft in derselben auf Schwarz, Weiß und Rot sowie zwei Pinselstärken reduzierten Malweise porträtiert.

Die Serie „Netzwerke“ mit Gittern und an Blutbahnen gemahnenden Schläuchen erinnert daran, dass Fabry mit seiner umfangreichen Korrespondenz das war, was man heute als „Netzwerker“ bezeichnet. Ein solcher ist auch Eichinger. Seine Studenten konnten das Entstehen des Fabry-Porträts bei „Facebook“ im Internet Schritt für Schritt mitverfolgen.

Abb.: Am Sonntag wird die Ausstellung von Professor Henning Eichinger um 11 Uhr im Wilhelm-Fabry-Museum eröffnet. Foto: Olaf Staschik

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