RP SERIE WILHELM FABRY (11)
Mit Fabricius geehrt

Vor knapp 70 Jahren wurden sie zum ersten Mal vergeben: Teller mit dem Gesicht Wilhelm Fabrys. Mit ihnen ehrte der damalige Hildener Bürgermeister seine Bürger. Heute ziert Fabry immer noch die Ehrenmedaillen der Stadt.

von Uli Schmidt
Quelle: Rheinische Post, Donnerstag, den 19. November 2009
Am Anfang war der Teller. Weil Hildens Bürgermeister Walter Schomburg kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bei besonderen Anlässen wie Goldhochzeiten oder Dienstjubiläen nicht Adolf Hitlers Pamphlet „Mein Kampf“, sondern „etwas Bleibendes“ verschenken wollte, schlug der damalige Kulturbeauftragte Hans Große vor, bei Ehrungen auch das Andenken an Wilhelm Fabry zu wahren und dessen Konterfei von der Meißener Porzellanmanufaktur auf einem Zierteller mit 30 Zentimetern Durchmesser und Aufhängevorrichtung zu verewigen.

Hildener Ehrengaben

Abb.: Der Teller (Mitte) ist die erste Ehrung mit dem Konterfei Wilhelm Fabrys, die die Stadt an Engagierte herausgab. Die erste Auflage der Teller gab es im Jahr 1941. Später wurde auch die Fabricius-Medaille in Gold und Silber aufgelegt. Foto: Olaf Staschik

Kobaltblau blickt der berühmte Arzt noch heute nach der Vorlage eines Ölgemäldes von Albert Engstfeld (von 1936) über den verzierten Tellerrand, auf dem „Wundarzt Guilhelmus Fabricius Hildanus, Deutschlands Bedeutendster Chirurg der Renaissance, geb. am 25.Juni 1560 in Hilden“, eingebrannt ist. Am 22. März 1941 lieferte die berühmte Manufaktur die erste Auflage: 25 Fabricius-Teller, die mit Widmung pro Stück 75 Reichsmark kosteten. Heinrich Thiele kam anlässlich seines 48. Geburtstages im Oktober 1941 als einer der ersten zu Teller-Ehren. Historisch ist nicht geklärt, ob der damalige NSDAP-Ortsgruppenleiter sich womöglich deshalb 1942 per Bittschrift an den Politiker Hermann Göring wandte, um das Fabry-Denkmal vor der „Metallerfassung“ zu retten, in der die Büsten von Kaiser Wilhelm II. und Bismarck für die Wehrmacht in Kriegszeiten dahin schmelzen sollten.
Die nächste Fabry-Ehrengabe gab es erst Jahre später. „Nach einer Idee des Uhrenmacher- und Optikermeisters Trümpener bringt die Stadt eine Medaille mit dem Bildnis Fabrys und dem Stadtwappen heraus, die als besondere Ehrengabe gedacht ist. Dem Bildnis liegt die 1960 von Bildhauer Hans Peter Feddersen gestaltete Bronzebüste zugrunde.“ So lautet der Ratsbeschluss vom 21. Juli 1966. Seit dem kommen auch „Persönlichkeiten, die sich um das Wohl und das Ansehen der Stadt auf kommunalpolitischem, wirtschaftlichem, sozialem, kulturellem und gemeinschaftsförderndem Gebiet ganz besonders verdient gemacht haben“ in die Ehre eines Stadtwappenschild-Trägers plus Fabricius-Medaille.
Gold gibt es für Stadt- Engagierte, die insgesamt 25 Jahre für den Rat tätig waren, Silber für 15 Jahre. Die Neuauflage des Tellers wird wie Bronze für 20 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit verliehen, seit 1966 übrigens insgesamt 38 Mal.
Wer sich als sachkundiger Bürger, in Vereinen oder für die Kultur besonders engagiert, kann auf die Medaille mit zwei Seiten, Stadtwappen und Fabricius-Porträt, hoffen. Sie gibt es in Gold, Silber und Bronze zur Belohnung. Über Bronze durften sich bislang 246 Bürger freuen, Silber wurde 59 Mal verliehen und Gold ging zehnfach an Einrichtungen, zuletzt an den Oratorienchor. Und eine Frau ist Trägerin der höchsten Fabricius-Würden: die verstorbene Bürgermeisterin Dr. Ellen Wiederhold.

Ehrengaben der Stadt
Seit 1966 und in der Reihenfolge ihrer Bedeutung: Stadtwappen- und Fabricius-Medaille in Bronze, Silber und Gold; großer Stadtwappenteller in Silber, Stadtwappenschild mit Fabricius-Medaille (Silber), Fabricius-Teller (Porzellan), Stadtwappenschild mit Frabricius-Medaille (Gold), Ehrenmedaille in Gold Ehrenring in Gold.

zurück