Von Fabry-Müdigkeit keine Spur

Der 450 Jahre alte Wundarzt bestimmt in diesem Jahr den Veranstaltungskalender. Dr. Wolfgang Antweiler, der mit Bernd Morgner und Volker Hillebrand das Programm gestaltete, hofft, dass vom Schwung des „Fabry-Jahres“ noch viel ins neue Jahr hinüberschwappt. Über 100 Veranstaltungen liegen schon hinter, ein letztes Quartal noch vor ihm. Mit Fabry-Museumsleiter und Stadtarchivar Dr. Wolfgang Antweiler sprach RP-Redakteurin Stefanie Mergehenn über den bisherigen Verlauf und die Außenwirkung des Fabry-Jahres.

von Stefanie Mergehenn
Quelle: Rheinische Post, Montag, den 20. September 2010
Herr Dr. Antweiler, am Dienstag lauschten Sie der Lesung „Die Fabry-Papiere“, am Freitag waren Sie bei der QQTec-Vernissage „Hommage à Fabry“ - können Sie den Namen des Wundarztes überhaupt noch hören?
Antweiler Unbedingt! Eine Fabry-Übersättigung oder Müdigkeit macht sich weder bei mir noch meinen Kollegen breit - und offenbar bei den Hildenern auch nicht.

Wie viel Anklang fanden denn die jeweiligen Angebote rund um Fabry?
Antweiler Das variierte natürlich. Aber wir mussten von unseren etwa 140 Veranstaltungen mangels Besuchern nur eine Handvoll ausfallen lassen. Die Resonanz auf die Vorträge lag beispielsweise zwischen 15 und 55 Zuhörern - ich habe mir abgewöhnt, darüber zu grübeln, ob’s am Wetter, dem Fernsehprogramm oder doch am Thema gelegen hat.

Was waren denn die Höhepunkte des bisherigen Fabry-Jahres?
Antweiler Thematisch stießen die Vorträge über kranke Dichter, den Aderlass und das Netzwerk Globalisierung auf das größte Interesse. Der kulturelle Höhepunkt war natürlich das Festwochenende rund um Fabrys 450. Geburtstag im Juni.

Da hatten Sie ja 160 Namensvettern von Fabry zu Besuch. Sind Sie mit einigen von Ihnen noch in Kontakt?
Antweiler Einem habe ich noch Material über Fabry geschickt. Ansonsten kam leider nichts mehr. Ich denke trotzdem, dass das Festwochenende einen überregionalen Imagegewinn darstellt - wie übrigens auch die Medizinertagung.

Inwiefern?
Antweiler Beim Jahrestreffen der Medizinhistoriker wurden im Fabry-Museum zahlreiche Kontakte geknüpft. Für das kommende Jahr konnte ich bereits zwei Referenten aus diesem Kreis gewinnen, und auch ich selbst konnte bei meinen Fachvortrag in Ulm (und im Dezember in Bern) ein bisschen für Wilhelm Fabry und damit auch für Hilden die Werbetrommel rühren.

Glauben Sie, dass Hilden künftig tatsächlich als „Fabrystadt“ firmiert?
Antweiler Ich denke, dass wir zumindest im Bereich der medizinischen Forschung einiges angestoßen haben. So habe ich jetzt einem emeritierten Urologie-Professor Fabrys Schriften über die Blasensteinentfernung zur Verfügung gestellt, der seinerseits die Patientenseite recherchieren möchte. Wir strahlen also etwas aus, bekommen aber auch viel zurück.

Identifiziert sich denn der Hildener Bürger mit Fabry? Die Resonanz der Grundschulen auf das von Ihnen angestoßene Fabry-Jahresprojekt ließ ja offensichtlich etwas zu wünschen übrig.
Am Freitag eröffnete die „Hommage à Wilhelm Fabry“ bei QQTec
Antweiler Das hat mich aber nicht wirklich enttäuscht, zumal bis zum Jahresende vielleicht noch das ein oder andere kommt. Ende September besuchen beispielsweise die Ferdinand-Lieven-Schüler das Museum, die Busch-Schule hat ein Wilhelm-Fabry-Buch gemacht, die Kolping-Schule eine Collage . . .

Was steht denn im letzten Quartal noch auf dem Programm?
Antweiler Am 6. Oktober ist wieder „Come and Talk“ - eine Gesprächsreihe, die wir möglicherweise mit der Evangelischen Erwachsenenbildung auch im kommenden Jahr weiterführen werden. Im November wird der mit 8000 Euro dotierte Fabry-Förderpreis an den Bielefelder Medizinfotografen Stefan Sättele verliehen. In dem Monat stehen mit Monteverdis „Marienvesper“, der Jazz-Connection Hilden-Bern sowie dem Festkonzert des Oratorienchores auch drei musikalische Höhepunkte an. Zudem gibt es neue Ausstellungen und Vorträge.

Und am Silvesterabend machen Sie drei Kreuze und klappen die Akte „Fabry-Jahr“ zu . . .
Antweiler Im Gegenteil - wir wollen vom Schwung des Fabry-Jahres so viel wie möglich mitnehmen ins neue Jahr! Direkt im Januar startet eine Ausstellung zum Thema „Haut“, und aktuell läuft die bundesweite Ausschreibung für die im Herbst 2011 geplante Ausstellung „Dem Gehirn auf der Spur - von Genie bis Alzheimer“. Bei unserer letzten Themenausstellung hatten sich übrigens 350 Künstler für 55 Plätze beworben.

Von Müdigkeit scheint bei Ihnen in der Tat keine Spur . . .
Antweiler Ich mache hier doch nicht nur irgendeinen Job, sondern habe das Vorrecht, Beruf und Hobby verbinden zu können. Mein Vorteil gegenüber einem Profi-Fußballer: Ich kann das auch noch mit 56 machen!


Abb.: Nur einer von 140 Programmpunkten im „Fabry-Jahr“: Am Freitag eröffnete die „Hommage à Wilhelm Fabry“ bei QQTec mit 20 Vertretern des Bergischen Künstlerbundes (ausführliche Berichterstattung morgen). Foto: Olaf Staschik

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