Tausende defilierten Fabry

Zum 450. Geburtstag des berühmtesten Sohnes der Stadt war halb Hilden beim großen Festumzug auf den Beinen - nebst 150 echten Fabrys, die aus ganz Deutschland und den Nachbarländern zur Geburtstagsfeier angereist waren.

von Wilhelm Fabry - aufgezeichnet von Uli Schmidt
Quelle: Rheinische Post, Montag, den 28. Juni 2010
Die „Fabry-Kids“ der Wilhelm-Busch-Schule waren ein besonderer Blickfang.
Salve, Civis! Seid gegrüßt, ihr lieben Bürgerinnen und Bürger in Hilden und ihr vielen ungezählten Gäste, die ihr an diesem Wochenende mir zu Ehren an die Itter gekommen seid, obwohl seit meiner Geburt am 25. Juni 1560 ein paar Jahrhunderte ins Rheinland gegangen sind. Als Geburtstagskind, das nach 450 Jahren nur noch vom Steinsockel am alten Markt seine Gäste anno 2010 an sich vorbei defilieren lassen kann, möchte ich mich auf diesem Wege bedanken – nicht nur wegen des neuen Sockels, den mir der Hildener Heimatverein spendiert hat. Im Schatten unserer Reformationskirche, im Glauben an Mitmenschlichkeit, der mein ganzes Leben geprägt hat, begeistert mich, wer sich alles mir zu Ehren beim Festumzug auf die Socken gemacht hat: Als uralter Ur-Opa möchte ich besonders die vielen Kita- und Schulkinder loben, die in so fantasievollen Kostümen an mir vorbei zogen. Kleine Mädchen trugen Kränze aus Buchsbaum im Haar und sogar die Knaben wanderten artig und in entzückende Jutewesten gewandet über die Mittelstraße. Da haben Lehrer und Eltern der Schule am Elbsee gewiss viel Arbeit gehabt. Auch viele Mütter und Väter hatten sich mir zu Ehren in Leinen oder Samt gehüllt.
Buggy hätte Marie Colinet gefallen
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Daneben gab es neuzeitliche Familien- Menschen im großen Fest- Umzug am Samstag zu sehen, die ihren Nachwuchs in seltsamen Ge- fährten auf vier Rädern durch die Fußgängerzone schoben. So ein „Buggy“ hätte meiner Marie damals bestimmt auch gefallen, um unsere acht Kinder sicher zu kutschieren. . . Besonders gestaunt habe ich über die zahlreichen Offiziere in sehr unterschiedlichen Uniformen, die eindeutig nach meiner Generation geschneidert wurden. Und dann diese neumodischen Narrenkappen. Strumpf-Hosen für Männer und Frauen im Anzug? Sogar ein edles Prinzenpaar marschierte mit. Sind die im Rheinland heutzutage alle jeck? Außerdem erblickte ich viele Schützen, Itter-Früchtchen auf zwei Beinen und Musikanten. Die Musik vom Sinfonischen Blasorchester Hilden, aber auch vom Tambourcorps Hohenzollern Hochdahl und dem Marine Corps „Gut Spiel“ klang gut in meinen Ohren. Sogar der „Rap“, den die Schüler meiner, der Wilhelm-Fabry-Realschule vom Pferdewagen schmetterten, gefiel mir. Das alles zog fast ein bisschen zu schnell an mir vorbei. Ich bin schließlich nicht mehr der Jüngste. Aber es gab ja noch all jene, die sich quasi zu meinen Stein-Füssen trafen. Irene und Karl- Heinz Schnitzler zum Beispiel, die dort, wo einst mein Geburtshaus „In den Schmitten“ stand, früher einen Betrieb hatten und heute ihren Enkelinnen Helen und Marie viel über die Geschichte der Stadt erzählen können. Und die hohen Herren Horst Thiele, Reinhard Gatzke und Volker Hillebrand unterhielten sich zu meinen Füssen mit Annemarie und Claudia Fabry, die extra meinetwegen aus Oberfranken angereist waren.

Abb. 1: Die „Fabry-Kids“ der Wilhelm-Busch-Schule waren ein besonderer Blickfang.
Abb. 2: Die Elbsee-Schüler waren in fantasievolle Kostüme gewandet, die bei rund 30 Grad einiges abverlangten.
Abb. 3: Auch die Eltern und Betreuer der Kita Traumquelle hatten ihren Spaß bei der Teilnahme am Festzug.
Alle Fotos: Olaf Staschik



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