25. November um 19.30 Uhr • Wilhelm-Fabry-Museum
Von der Fürtrefflichkeit und Nutz der Anatomy
Zur Verteidigung einer umstrittenen Wissenschaft in der Frühen Neuzeit
Vortrag von Prof. Dr. Thomas Schnalke, Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité


Die moderne Medizin beginnt mit dem Blick unter die Haut.

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Mit den eigenen Sinnen scannen die Anatomen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts die innersten Strukturen des menschlichen Körpers. Ihr Metier, die Anatomie, ist die alles beherrschende Disziplin der neuen Wissenschaft vom Menschen. Allein, sie ist nicht unumstritten. Das krude Zergliedern des Leichnams eckt bei vielen an. Selbst manche studierte Ärzte stellen den Wert der Leichenschau in Frage. Dies wiederum ruft gewichtige Fürsprecher der Anatomie auf den Plan. Sie halten flammende Plädoyers für ihr Gebiet und geben diese gar in den Druck. So handelt etwa Fabry von Hilden 1624 als Berner Stadtarzt in einer 200 Seiten starken Schrift „Von der Fürtrefflichkeit und Nutz der Anatomy“. Darin wendet er sich an die politischen Entscheidungsträger und gegen die „unerfahrenen Artzte und Pladermäuler, […] verlogenen und falschen Chymisten“. Zugleich appelliert er an das Verantwortungsbewusstsein und die Gottesfurcht seiner Kollegen.

In seinem Vortrag wird Thomas Schnalke das Spektrum der Argumente für eine Rechtfertigung der Anatomie in der frühen Neuzeit bündeln und in einer nachempfundenen Verteidigungsrede zu Gehör bringen, um die Strategien herauszuarbeiten, mit welchen die Anatomen seinerzeit ihre Ziele erreichen wollten.

Abb.: Ausschnitt des Frontispizes der Vesalschen Fabrica
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