16. September 2010 um 19.30 Uhr • Wilhelm-Fabry-Museum
"es flohen die Reichen leud alle auß der stat darinnen sturben 10345 Menschen"
Seuchen in der frühneuzeitlichen Stadt
Vortrag von Dr. phil. Fritz Dross, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Verheerende Seuchenzüge gehörten zur alltäglichen Erfahrung der Menschen des 16. und 17. Jahrhunderts. Etwa alle 10-15 Jahre kehrte die „Pest“ wieder, so dass erwachsene Menschen sie in der Regel schon mehrfach er- und überlebt hatten.
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Dies gilt auch für Wilhelm Fabry, der als Jugendlicher die Pest überlebte, die ihm später zwei Töchter raubte – selbst erfahrene Heilkundige waren oft nicht in der Lage, sich und ihre Familien wirksam vor den frühneuzeitlichen Seuchenzügen zu schützen.
Möglichst früh und möglichst weit zu fliehen, möglichst spät zurückkehren, dies war das auch von Ärzten zuerst empfohlene Mittel – weshalb städtisch besoldete Pestheiler, denen wie z.B. Ordnungskräften und wenigstens einigen Spitzenkräften der Verwaltungen die Flucht untersagt war, üblicherweise besonders gut besoldet werden mussten. Die Anstellung und Besoldung von Ärzten ist aber nur eine unter vielen Maßnahmen, die frühneuzeitliche Obrigkeiten ergriffen, um das öffentliche Leben – und damit nicht zuletzt ihre Herrschaft! – über die Seuchenperioden wenigstens auf einem minimalen Niveau zu garantieren.

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Statt zu fliehen, konnte auch versucht werden, das Eindringen fremder Menschen und Dinge an den Stadttoren abzufangen und Erkrankte für eine gewisse Zeit in ihren Wohnungen oder in Spitälern zu isolieren. Das Vermeiden großer Menschenansammlungen war besonders in der Kritik, da Prozessionen und Gottesdienste ebenso als wirksame Gegenmaßnahmen gegen die göttliche Prüfung durch Seuchen aufgefasst werden konnten, wie das annähernd anonyme Begraben der Opfer konfessionsübergreifend freilich als inakzeptabel galt.

Abb.: Pest von Asdod, Öl 1631 - Portrait Dr. phil. Fritz Dross


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