18. April bis 18. Juli 2010
Ausstellung im Wilhelm-Fabry-Museum
Götter in Weiß - Arztmythen in der Kunst
„Halbgott in Weiß“, ein Mythos, der polarisiert. Mit ihm sind Hoffnung, Verehrung, Erfolg, aber auch Angst, Häme, Versagen verbunden. Diese Vorstellungen haben die Künstler aller Zeiten inspiriert, den Arzt in fesselnden Situationen ins Bild zu setzen.

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Die im Wilhelm-Fabry-Museum konzipierte Ausstellung mit Werken aus dem In- und Ausland spannt den Bogen von der Antike vom Gottarzt Asklepios bis zur Chirurgenlegende Sauerbruch und weiter.

Kunst und Medizin beziehen sich bis heute gleichermaßen auf den Gott der Heilkunst. Präsentiert werden Arztbilder, die, der Tradition verpflichtet oder mit dieser spielend, Asklepios mit seinen Attributen, der Schlange und dem Stab, zeigen. Der Entdecker des großen Blutkreislaufes William Harvey ließ sich im Stich von Willem van Bemmel mit der den Stab umschlingenden Natter darstellen. Georg Friedrich Schmidt verewigte Johann Nathanael Lieberkühn, den bedeutendsten Anatomen des 18. Jahrhunderts in Deutschland, mit den antiken mythologischen Symbolen.

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Der subjektive Blick des Künstlers und seiner Auftraggeber auf das Verständnis des Arztes ist das zentrale Thema der Ausstellung. Als Akteur ausgestattet mit den Insignien seines medizinischen Standes, wie Harnglas, Kittel oder dem Stethoskop, analysiert, diagnostiziert und praktiziert er im Bild. Festgehalten, ob gemalt, gezeichnet oder fotografiert, wurden diese magischen Momente des Helfens und Heilens von über 40 Künstlern aus verschiedenen Epochen. Bei Maina-Miriam Munsky sehen wir auf ihrer Farbradierung von 1972 einen Arzt im grünen OP-Kittel mit Mundschutz und Handschuhen ein Neugeborenes hochhalten. David Teniers präsentiert den Arzt während der klassischen Harnglasschau, einem beliebten Motiv des Goldenen Zeitalters der Niederlande. Albrecht Dürer gibt Einblick in eine mittelalterliche Hausbesuchszene, der legendäre Fotograf Erich Salomon nutzte eine außergewöhnliche, nahezu mystische Lichtstimmung, um Sauerbruch im Operationssaal aufzunehmen.

Lehrend und forschend wird der Arzt in seinem originären Umfeld porträtiert. Bildnisse bedeutender Ärzte der Geschichte auf Originalkopien nach Rembrandts Dr. Tulp, nach Otto Dix‘ Dr. Koch und dem Porträt von Louis Pasteur von Albert Edelfelt geben gekonnt inszeniert über Handlung oder Interieur Einblicke in die Arbeitswelt des einzelnen Mediziners.

Aber der Arzt wird nicht nur heroisiert, die Verspottung des Mediziners in der Karikatur hat Tradition. Genauso wird die Gratwanderung zwischen Leben und Tod immer wieder deutlich aufgezeigt, wie in der Lithographie zum Berner Totentanz. Bilder, in denen der Arzt den Kampf auf Zeit aufnimmt, stellen keine Seltenheit dar. Diesen entscheidenden Augenblick erfasst Ivo Saliger, wenn der Arzt im Kampf mit dem Tod um das Leben einer schönen, jungen Frau für den Moment gewinnt.

Vom schwarzen Frack zum weißen Kittel wandelt sich nicht nur die Kleidung, sondern auch die Bildauffassung des Arztes. Dem neuzeitlichen Mythos auf der Spur beleuchtet die Ausstellung die fassettenreiche Umsetzung des „Hochverehrten und verfluchten Arztes“. (Stefenelli, Norbert, Arzt und Kranker – Eine Begegnung, Umgang und Gespräch, Wien 1988, S. 43)



Abb. 1: Munsky, Maina-Miriam, o. T. (Arzt), 1972, Leihgeber, Sammlung Institut für Geschichte der Medizin TU Dresden
Abb. 2: nach Goltzius, Hendrik, Der Arzt als Engel, um 1587, Leihgeber, Medizinhistorisches Institut Zürich
Abb. 3: Originalkopie nach Rembrandt, Harmensz. Van Rijn "Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp", um 1900, Leihgeber: RWTH Aachen, Reiff-Museum

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