1. Juli 2010 um 19.30 Uhr • Wilhelm-Fabry-Museum
Wenn „das Leben als an einem seydenen Faden hängt“
Blasenstein-Therapie in der Frühen Neuzeit
Vortrag von PD Dr. med. Marion Maria Ruisinger, Deutsches Medizinhistorisches Museum Ingolstadt
Am Blasenstein litten Knaben und Männer bereits im Altertum. Im antiken Griechenland gab es bereits darauf spezialisierte Operateure, die „Steinschneider“ (Lithotomoi), die sogar im Hippokratischen Eid erwähnt werden.
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Sie schnitten den Stein aus der Harnblase heraus. Die damals verwendete Operationstechnik wurde im Laufe der Frühen Neuzeit weiter ausgebaut, so dass im 18. Jh. für den Steinschnitt schließlich vier verschiedene Verfahren zur Verfügung standen. Im 19. Jh. entwickelte ein französischer Arzt schließlich eine unblutige Methode, die im Prinzip heute noch die Blasenstein-Therapie bestimmt.

Der Vortrag stellt die Entwicklung der Operationstechniken in groben Zügen vor, richtet den Blick aber auch auf die „Sozialgeschichte des Blasensteins“. Dabei wird danach gefragt, was die Entscheidung zum Steinschnitt für die beteiligten Personen bedeutete, wie die jeweiligen Kommunikationsprozesse abliefen und wie sich Chirurg und Patient auf die Operation vorbereiteten. Denn wenn, wie bei dem Steinschnitt, „das Leben als an einem seydenen Faden“ hing (Fabry), mussten alle Beteiligten ihr Möglichstes tun, um das Risiko zu verringern und für einen ungünstigen Ausgang Vorsorge zu treffen.

Abb.: Die Lagerung des Patienten bei Steinschnitt, aus: Lorenz Heister: Institutiones chirurgicae. Amsterdam 1739


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