22. April 2010 um 19.30 Uhr • Wilhelm-Fabry-Museum
Johann_Wilhelm
Europa am Rande des großen Krieges
Der jülich-klevische Erbfolgestreit (1609-1614)
Vortrag von Prof. Dr. Jörg Engelbrecht, Universität Duisburg/Essen

Bereits im Jahre 1613 ergab sich im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg eine Konstellation, die derjenigen ähnlich war, die schließlich 1618 zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges führte.
Im März 1609 verstarb Johann Wilhelm I., der letzte Herzog aus dem Hause Jülich-Kleve-Berg, kinderlos und in geistiger Umnachtung. Gleich fünf verschiedene Anwärter meldeten Ansprüche auf das Erbe an, von denen sich letztlich zwei erfolgreich durchsetzten. Es waren dies Johann Sigismund, Kurfürst von Brandenburg, und Wolfgang Wilhelm, Pfalzgraf von Neuburg.
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Die anfänglich vorgesehene gemeinsame Regierung in den Herzogtümern (bis zur endgültigen Regelung der Erbfrage) erwies sich jedoch bald als wenig praktikabel, da keiner der beiden bereit war, seinen Anspruch auf das alleinige Erbe aufzugeben. Eine gesamteuropäische Dimension erhielt der Konflikt durch die Tatsache, dass beide Prätendenten auf der Suche nach Verbündeten einen Konfessionswechsel vollzogen. Dadurch ergab sich bereits im Jahre 1613 eine Konstellation, die derjenigen ähnlich war, die schließlich 1618 zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges führte. Eine Lösung brachte schließlich der Vertrag von Xanten (1614), der eine Teilung der Herzogtümer vorsah. Wolfgang Wilhelm erhielt Jülich und Berg, Johann Sigismund das Herzogtum Kleve sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg. Das Xantener Abkommen wurde aber erst im Jahre 1666 von beiden Seiten als rechtsverbindlich anerkannt. Bis zu diesem Zeitpunkt blieb das Verhältnis der beiden Fürsten spannungsgeladen.

Abb.: Düsseldorfer Schloss 1756

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