25. Februar 2010 • 19.30 Uhr • Wilhelm-Fabry-Museum
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Kampf um den Kaiserschnitt
Wilhelm Fabry und die frühneuzeitlichen Debatten in der Geburtshilfe
Vortrag von Prof. Dr. med. Dr. phil. Daniel Schäfer, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Universität zu Köln

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Der Kaiserschnitt gilt neben der Wendung des ungeborenen Kindes und der Embryotomie als einer der ältesten geburtshilflichen Eingriffe. Allerdings wurde er nach den überlieferten Zeugnissen bis etwa zum Jahr 1500 ausschließlich an sterbenden oder toten Frauen durchgeführt; wie andere Bauchoperationen verlief er infolge der hohen Blutungs- und Infektionsgefahr fast immer tödlich. Doch eine Generation vor Wilhelm Fabry veröffentlichte ein unbekannter französischer Arzt, François Rousset, eine erste begeisterte Werbeschrift für den Kaiserschnitt an der Lebenden, die eine lebhafte Debatte in der Fachwelt in Gang setzte.

Neben fachlichen Aspekten spielten auch religiöse, ethische und forensische Aspekte eine große Rolle. Welche Meinung vertrat der erfahrene Chirurg und Protestant Fabry, und wie begründete er sie? Hatte Fabrys Eintreten für den „historischen“ Kaiserschnitt an der Toten, der noch um 1850 noch etwa 80% aller Kaiserschnitte ausmachte, Folgen für die Geschichte der Medizin? Und wie veränderten sich ethische Debatten rund um den Kaiserschnitt mit den technischen Fortschritten?

Mit diesen Fragen soll der weite Weg von der Notfalloperation zur Sectio auf Wunsch der Frauen schlaglichtartig beleuchtet werden.

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