9. Februar 2010 • 19.30 Uhr • Wilhelm-Fabry-Museum

Wahnsinnige Ophelia
Ausbruch und Wahnsinn - Shakespeares Verrückte
Vortrag von Dipl.-Psych. Georg Milzner, Bönninghausen-Institut Münster

Shakespeare, der ein Zeitgenosse Fabrys war, hat den Wahnsinn häufiger und intensiver dargestellt, als irgendein anderer Forscher oder Schriftsteller seiner Zeit.

Ophelia und König Lear sind einsame, tragische Gestalten, Hamlet spielt den Wahnsinn mit vollendeter Methode, Zettel verfällt erotischen Fantasien, die ihn ans Tierreich binden und bei Macbeth und seiner Lady weiß man am Ende nicht, wer tiefer erkrankt sein mag. Eine faszinierende Frage ist nun, inwieweit der Wahnsinn so, wie Shakespeare ihn darstellt, nicht auch so etwas ist wie ein Ausbruchsversuch - Ausbruch aus einer engen, frustrierenden, lieblosen höfischen Welt. Der Vortrag lotet die Beziehungen aus, die zwischen Wahnsinn und höfischer Enge bestehen - Beziehungen, die auch Fabry zumindest erahnt haben dürfte. Und er spannt von damals nach heute einen Bogen und fragt, wieviel Ausbruchspotenzial auch bei heutigen Lebensmodellen, die doch höfisch nicht mehr sind, im Wahnsinn noch enthalten sein könnte.

Porttrait Georg Milzner
Über den Referenten:
Georg Milzner, Dipl.Psych., unterhält eine Praxis für Hypnoanalyse im Bönninghausen-Institut für ganzheitliche Heilkunst in Münster. Zehn Jahre lang war er zuvor als Therapeut und Projektleiter am Institut für Hypnotherapie in Düsseldorf tätig und hatte Lehr- und Fortbildungsaufträge für Soziale Psychiatrie in Linz und Dresden inne. In dieser Zeit entstanden u.a. maßgebliche Entwürfe zur Hypnotherapie des Schmerzes und für eine neuartige Sicht der Psychose. Zur Zeit entwickelt er eine neue Theorie der Psychose, die im kommenden Jahr veröffentlicht wird. Von 1998 bis 2002 gehörte Milzner dem Vorstand der DGH an und war zwischen 1999 und 2003 Chefredakteur der "Suggestionen". Er ist Ausbilder der Schweizerischen Ärztegesellschaft für Hypnose.

In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Hilden
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