4. Februar 2010 • 19.30 Uhr • Wilhelm-Fabry-Museum

Fußskelett
Bestand und Wandel in der Medizin - Der rasante Fortschritt der Life Sciences
Vortrag von Prof. Dr. med. Dr. phil. Alfons Labisch, M.A.(Soz.), Institut für Geschichte der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Die Werke Fabricius Hildanus' haben über anderthalb Jahrhunderte als Standard gegolten. Heute hat der rasante Fortschritt der Life Sciences die Halbwertzeit medizinischer Fachpublikationen auf Monate zusammenschrumpfen lassen. Was hat sich geändert, was bleibt? Was sind Wandel und Bestand der Heilkunde?

Skelett
Von den vielen anderen Formen des Heilens und Helfens unterscheidet sich die Medizin dadurch, dass sie seit der Antike den Anspruch erhebt, ihr Handeln wissenschaftlich herzuleiten. Eben deshalb gilt Hippokrates als Begründer der Medizin. Klassisches naturwissenschaftliches Wissen trifft stets allgemeine Aussagen. In der Medizin geht es aber darum, dem Hilfsbegehren eines einzelnen kranken Menschen gerecht zu werden. In der naturwissenschaftlichen Medizin stehen Ärztinnen und Ärzte daher vor der Aufgabe, ihr allgemein gültiges naturwissenschaftliches Wissen in ein Handeln umsetzen, das den je individuellen Gegebenheiten und Bedürfnissen des Patienten gerecht wird.

In der Begegnung von Patient und Arzt wird der wissenschaftliche Objektbezug der Medizin in das subjektbezogene ärztliche Handeln gewendet. Unter den Bedingungen der Lebenswissenschaften hat sich die Qualität des Wissens von den chemisch und physikalisch orientierten zu den biologischen Wissenschaften verschoben. Dies ändert erneut das wissenschaftliche Bezugssystem von Ärztinnen und Ärzten. Gleichwohl: die zentrale Aufgabe der Medizin bleibt gleich - es geht letztlich immer darum, wissenschaftliches Wissen auf die je individuellen Nöte eines Menschen anzuwenden.


In dieser Sicht hat Fabricius Hildanus auch dem heutigen Arzt etwas zu sagen: Seine sechshundert Fallgeschichten bilden Kontinuitäten ärztlichen Handelns ab, die Bestand und Wandel in der Medizin deutlich werden lassen.

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