21. Januar 2010 • 19.30 Uhr

Hexen, Heiler und Henker
Verfolgungen in der Zeit Wilhelm Fabrys

Wilhelm-Fabry-Museum
Hexen
Vortrag von Dr. Erika Münster-Schröer, Stadtarchiv Ratingen / Universität Duisburg/Essen

Zu Lebzeiten Wilhelm Fabrys fanden in den deutschen Ländern vielfach massive Hexenverfolgungen statt.

Hexenfolter
Hexensabatt

Unter dem Druck der Folter wurden Frauen - und auch Männern - Geständnisse abgepresst, die von der Teilnahme am Hexensabbat, dem Flug durch die Luft, der Teufelsbuhlschaft und dem Schadenszauber zeugen sollten. Wenn auch die „Verfolgung der weisen Frauen“ eine der sehr umstrittenen Deutungen der Hexenverfolgungen ist, so waren doch magische Praktiken damals weithin verbreitet. Wer auf diese Weise tätig war, lief immer auch Gefahr, der Zauberei angeklagt zu werden.

Volksmagische Praktiken sollten generell durch die Obrigkeiten eingedämmt werden, um die Untertanen vor Schaden zu beschützen. Die Gerichtsverfahren in Hexenangelegenheiten sollten generell nach bestimmten Regeln durchgeführt werden. So sollten die Beschuldigten nicht übermäßig unter den Qualen der Folter zu leiden haben, und sie durften auch nicht daran sterben.
Hexenfeier
Wilhelm Fabry hat in Zusammenhang mit den „Malefitzsachen“ erstmalig auf den „Schlaf der Marter“ aufmerksam gemacht, der insbesondere in Prozessen gegen Hexen und Unholde als ein Zeichen ihrer besonderer Bosheit galt. Dabei gab es dafür eine medizinische Erklärung: Durch das „Aufziehen“ in der Folter zerbrachen die Schulterblätter, so dass die Delinquenten kaum noch konnten atmen konnten und langsam erstickten. Es war sein Anliegen, die Obrigkeiten zu bewegen, solche Praktiken abzuschaffen.
Henker wiederum, von denen sich etliche als „Hexen-Scharfrichter“ einen besonders grausamen Ruf geschaffen hatten, waren andererseits auch als Heiler tätig. Aufgrund ihrer Berufserfahrungen wussten sie, wie man Wunden versorgte und Schmerzen lindern konnte, denn sie verfügten über sehr gute Kenntnisse des menschlichen Körpers. Leichenteile von Hingerichteten verarbeiteten sie zu Salben, denen besondere therapeutische Wirkungen nachgesagt wurden.
Der Vortrag beleuchtet die Gründe für die Führung von Hexenprozessen sowie die Rollen der Beteiligten und analysiert in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Ausübung magischer Praktiken für die Gesellschaft der damaligen Zeit.

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